Die erstaunlichen Verwandlungen der Radost Bokel

Radost Bokel

Radost Bokel („Momo“) über frühen Ruhm, erwachsene Einsichten, ihr Shooting für den Playboy sowie ein gespaltenes Amerika unter Trump

Ihr Name setzt ein kafkaeskes Kopfkino frei: von aschgrauen Agenten, finsteren Mächten, Nebelwänden und zauberkundigen Meistern, die Stundenblumen züchten. Besonders aber beschwört er das Bild von „Momo“ herauf, dem legendären Lockenschopf mit den schwarzen Kulleraugen und ebensolchen Füßen, welchen Radost Bokel als 11-Jährige in der gleichnamigen Michael-Ende-Geschichte verkörperte. Seither ist die Figur im Archiv der Filmgeschichte gespeichert sowie im Gedächtnis einer Generation. Was macht die Künstlerin heute, warum war sie jüngst im Playboy zu sehen, wie beurteilt sie die Lage in ihrer Wahlheimat Amerika – und vor allem: Wird sie immer noch von den mysteriösen Herren der „Zeitsparkasse“ beschattet? Zurheide nahm die Fährte auf.

Zurheide: Es ist jetzt auf den Gongschlag 8 Uhr morgens, ein ungewohnt früher Termin für ein Celebrity-Interview: Sind Ihnen etwa immer noch Michael Endes Zeitdiebe auf den Fersen?

Radost Bokel: Touché, manchmal gibt´s da auch für mich kein Entrinnen: Dieses „Schnell-schnell“ tut besonders weh, wenn es auf Kosten der Familie geht. Termindruck und Hetze sind nun mal ein Kulturphänomen, das auch oft in Gesprächsrunden nach meinen „Momo“-Lesungen anklingt.

Zurheide: Die Geschichte handelt vom Zeitdiebstahl durch gesichtslose, graue Herren. Wie gehen Sie als Erwachsene mit dem Rohstoff Zeit um bzw. was steht heute auf Ihrer Agenda?

Radost Bokel: Das Zeit-Management gerät bei mir gerade wieder etwas aus den Fugen: Mein kleiner Sohn fühlt sich unwohl und mit einem kranken Kind dauert alles etwas länger. Auch meine beiden Hunde wollen Gassi gehen und kratzen schon an der Tür.

Radost Bokel

Zurheide: Gab´s denn wenigstens etwas Leckeres zum Frühstück?

Radost Bokel: Einen Kaffee hatte ich schon, bin also ready für den Tag! Morgens schwanke ich zwischen vernunftgesteuertem „Kopf“-Essen und lustbetontem „Bauch“-Essen, wie zum Beispiel einem Nutella-Toast oder Chia-Samen mit Obst.

Zurheide: Und Söhnchen Tyler: Ist er wie die meisten Kinder ein kleiner Süßschnabel?

Radost Bokel: (lacht) Seine Geschmacksknospen treiben seltsame Blüten: So muss zurzeit fast jedes Essen mit Semmelbröseln verziert sein. Auch isst er überraschend gern Spinat oder Mozzarella mit Tomate. Wie alle Kinder liebt er natürlich auch Schokolade.

Zurheide: Hat TJ sie schon in „Momo“ gesehen und erkannt?

Radost Bokel: Er weiß natürlich: „Das ist Mama, als sie klein war.“ Die Story übersteigt allerdings zurzeit noch seine Auffassungsgabe. Sobald er acht wird, gucken wir den Film gemeinsam: „Zeitdiebe“ zu entlarven ist ja auch eine Botschaft an Erwachsene.

Zurheide: Auch bei den Karl-May-Festspielen wirken Sie manchmal mit. Zuletzt spielten Sie Winnetous kleine Schwester Nscho-tschi auf der Freilichtbühne in Elspe: Liegen Ihnen Kinder- und Jugendbücher besonders am Herzen?

Radost Bokel: Kinder stehen in meinem Leben an allererster Stelle. Wenn ich meinen Sohn von der Schule abhole – er geht in die zweite Klasse – mische ich mich oft unter seine Freunde und mache Quatsch ihnen, so richtig albern und in Augenhöhe. Als Erwachsene stehe ich natürlich auch in der Verantwortung, ihnen Respekt und Anstand vorzuleben.

Zurheide: Welche Erinnerung verbinden Sie mit Michael Ende oder Filmgrößen wie Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl, an dessen Seite Sie als Kind spielten?

Radost Bokel: Es gibt Set-Fotos von mir mit Michael Ende oder Mario Adorf, doch die Erinnerung ist schon etwas verblasst. Sehr beeindruckt hat mich auch Armin Mueller-Stahl – der absolut liebste, tollste, menschlichste Star und ein genialer Schauspieler und Regisseur, so klasse! Dafür wurde ihm ja auch weltweit Anerkennung zuteil. Auch John Huston, der im Film den Zeitverwalter Meister Hora verkörperte, war superlieb. Als Kind hat er mir während einer Pressekonferenz in Italien beruhigend das Händchen gehalten, eine große Persönlichkeit voller Güte und Herzensbildung!

Zurheide: Madonna, Charlize Theron und Cindy Crawford haben eine Gemeinsamkeit – sie waren alle schon in dem Männermagazin Playboy zu sehen. Auch von Ihnen wurde 2013 eine sehr stilvolle Fotostrecke gezeigt. Fast hätten Sie jedoch abgesagt …

Radost Bokel: Mir fehlte einfach der Mut für so ein Shooting, das ja nicht den kleinsten Makel verbirgt. Früher in der Schule war ich nämlich eher das hässliche Entlein. Entsprechend zurückhaltend reagierte ich auf wiederkehrende Anfragen. Mit zunehmender Reife wuchs mein Körperbewusstsein. Plötzlich traute ich mir das zu. Aber ein Abenteuer war es trotzdem.

Zurheide: Sie haben eine tolle Figur, sind topfit. Ernährt man sich trotzdem anders vor so einem Fototermin?

Radost Bokel: Natürlich bereitet man sich darauf vor, so habe ich Protein-Shakes getrunken, viel Sport getrieben und auf die üblichen Kohlenhydrate verzichtet. Auf diese Weise verlor ich sieben Kilo.

Zurheide: Momo, ihr kindliches „Alter Ego“ kämpft gegen die soziale Kälte. Erwachsen geworden lebten Sie zeitweise in Amerika: Wie beurteilen Sie den politischen Klima-Umschwung dort?

Radost Bokel: Es ist ja nicht nur der neue Präsident, auch die gesellschaftlichen Missstände bereiten mir Sorgen. Das Land ist gespalten und steht vor einer beispiellosen Herausforderung.

Zurheide: Bambi, Francois-Truffaut-Preis, vielgestaltige Tatort-Engagements: Als Schauspielerin sind Sie schon jetzt eine Ikone. Umso mehr freuen wir uns, dass wir Sie für dieses Interview gewinnen konnten: Was reizt Sie an dem Projekt mit Zurheide?

Radost Bokel: Das Interview mit Marijke Amado gefiel mir gut – mal etwas Anderes, nicht so nullachtfünfzehn. Dann zurrt mal rasch den Termin fest, sagte ich zu meinen Agenten, bevor die grauen Herren von der „Zeitsparkasse“ ihn einkassieren! ????

 Weiterführende Infos: https://www.kick-management.de/radost-bokel

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