Die grüne Denke der Ariane Sommer

Ariane Sommer - © Foto: Manfred Baumann

Ariane Sommer – „The Sexiest Vegetarian alive“ im Zurheide-Interview

Genügt es nicht, ein begehrtes Cover-Model und It-Girl zu sein: Muss man dann auch noch Erfolgs-Autorin, Journalistin, Wellness-Guru, Unternehmerin und Umwelt-Aktivistin werden, um später auf Pressekonferenzen so wortgewandt zu dozieren wie ein Harvard-Professor? Ariane Sommer lässt den Betrachter ein wenig frösteln. Die Deutsch-Amerikanerin ist von allem einen Touch „too much“: zu blond, zu klug, zu sexy, zu perfekt – und vielleicht auch einen Tick zu privilegiert. Tochter des deutschen Botschafters in Madagaskar, Nichte des Zeit-Herausgebers Theo Sommer und von Natur aus so makellos, als wäre sie soeben einem Pop-Art-Bild von Roy Lichtenstein entstiegen oder einem kitschigen Tagtraum von Jeff Koons. Doch solche Klischees kolportiert sie nicht selbst: Es sind die Paparazzi, deren heißen Atem sie noch heute im Nacken spürt. Es ist die Boulevardpresse, für die sie am liebsten auf ewig das Schoko-Luder im Sahne-Bad geben soll. Es ist die Öffentlichkeit, die sich in schwülen Fantasien ergeht, angeheizt durch Presentings wie die legendäre PETA-Kampagne, auf der sie im Eva-Kostüm posiert und zur „Sexiest Vegetarian alive“ nominiert wird. Wir rollten den grünen Teppich aus, um die Vegan-Venus ins Visier zu nehmen, fanden erwachsenen Chic statt laszivem Blick, Achtsamkeit statt Allüre und Substanz statt Bluff.

Zurheide: Als Keynote-Speakerin referieren Sie auf Messen wie der „Clean Tech Media“ oder der Düsseldorfer „Veggie World“ über die Vorzüge veganer Ernährung: gesundheitlich, ethisch und umweltpolitisch. „In a Nutshell“: Wie lassen sich diese zusammenfassen?

Ariane Sommer: Die pflanzliche Ernährung hat mich von Grund auf verändert. Gesundheitlich haben sich seit meiner Ernährungsumstellung chronische Probleme wie Akne, brüchige Nägel und auch Depressionen in Nichts aufgelöst. Auch meine Ausdauer und Beweglichkeit haben sich optimiert. In Sachen Optik habe ich festgestellt, dass meine Haut elastischer geworden ist und strahlt, meine Haare wachsen wie Unkraut, inzwischen reichen sie mir bis über die Taille. Diese äußeren Zeichen sind zumeist auch Indikatoren dafür, dass es dem Körper innerlich gut geht. Auch meine Geisteshaltung hat sich geändert. Ich bin heute viel ausgeglichener, lebe aus meiner Mitte heraus, anstatt ständig Beifall von außen zu suchen. Die logische Diskrepanz zwischen meinem Bedürfnis, unsere Umwelt zu schützen (von der wir schlussendlich nicht getrennt, sondern ein Teil sind), dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und meinem damaligen Konsum von Tierprodukten ist mir klargeworden. Wer eine gesündere, gerechtere Welt will, der kann nicht gleichzeitig jeden Tag ein Steak auf dem Teller haben.

Ariane Sommer - © Foto: Manfred Baumann

Zurheide: Jeder Einzelne kann etwas bewirken, lautet Ihre Maxime. Das begänne schon im Supermarkt an der Kasse. Welche Essentials landen denn derzeit kontinuierlich in Ihrem Einkaufswagen?

Ariane Sommer: Mit jedem Euro, den wir ausgeben, gehen wir wählen: für die Welt, in der wir morgen leben wollen, die wir unseren Kindern hinterlassen. Zugleich entscheiden wir damit bewusst, auf welche Art unser Körper altern soll. In meinem Einkaufswagen befinden sich, neben den obligatorischen, grünen Smoothie-Zutaten stets auch Mandelmilch-Jogurt, Fair Trade Bananen sowie Rohkost-Cashews, welche die Grundlage meiner selbstgemachten Eiscreme bilden. Außerdem habe ich ein Faible für veganes Hackfleisch aus Erbsen-Eiweiß: Daraus lässt sich eine Bolognese zaubern, die bisher noch jeden Fleischesser rumgekriegt hat.

Zurheide: Wie starten Sie denn am liebsten in den Tag?

Ariane Sommer: Morgens mixe ich für meinen Mann und mich z. B. einen Superfood-Kaffee. Hier kommt mein Basis-Rezept: frisch gebrühten Bio-Kaffee samt Mandelmilch in den Mixer geben, anschließend je einen Teelöffel Aswagandha-, Reishi- und Maca-Pulver sowie einen Esslöffel Kokosöl hinzufügen, mixen und servieren. Das bewirkt einen ungeheuren Energie-Kick bis in den späten Nachmittag hinein. Weitere Benefits sind Klarheit im Kopf, ausgeglichene Hormone und Stressreduktion.

Zurheide: Ein führendes Männermagazin wählte Sie unter die 101 schönsten Frauen der Welt. Ein großer Kick seien die vielen Komplimente für Ihre Haut, sagen Sie. Vor Ihrer Ernährungsumstellung litten Sie jedoch unter Neurodermitis …

Ariane Sommer: Das ist richtig. Außerdem hatte ich Akne, beides Indikatoren dafür, dass der Körper mit chronischen Entzündungen zu kämpfen hat. Diese äußeren Symptome weisen meist auf viel schlimmere Probleme im Magendarmtrakt oder den inneren Organen hin.

Zurheide: Als Weltenbummlerin pendeln Sie zwischen „good old Germany“ und Ihrer Wahlheimat Amerika. Kalifornien gilt als Hot Spot der grünen Bewegung. Welche Trends werden denn demnächst über den großen Teich zu uns herüberschwappen?

Ariane Sommer: Ein großer Trend ist die Optimierung von Genussmitteln, eine Rückbesinnung auf deren natürlichen Heilkräfte, sofern sie in ihrer Urform belassen werden. Zum Beispiel Schokolade und Kaffee. Die Kakaobohne ist einer der größten Lieferanten von Antioxidantien, Mineralien und Vitalstoffen. Rohkost-Schokolade, ohne Zusätze wie Zucker, Milch und Stabilisatoren, dafür aber mit Superfoods angereichert und mit immunförderndem Xylitol gesüßt, ist ein Riesenhit derzeit in Kalifornien. Ebenso, wie mit Pilzextrakten versetzter Kaffee. Besonders beliebt ist zum Beispiel der Reishi-Pilz, in der traditionellen chinesischen Medizin als “Pilz der Unsterblichkeit” bekannt.

Ariane Sommer

Zurheide: Da scheint sich eine Qualitäts-Revolution anzubahnen: Aus „Fast Food“ wird „Functional Food“, welches gleich mehrere gesundheitliche Vorteile in sich vereint. Auch Ihr persönliches Engagement schlägt Wellen, besonders auf dem Ernährungssektor. Was ist Ihr aktuelles Herzensprojekt?

Ariane Sommer: Derzeit arbeite ich an meiner Website GoAVAP (ein Akronym für Go As Vegan As Possible) www.goavap.com: einer Plattform für Menschen, die auch in Lifestyle Bereichen wie Mode nach tier- und planetenfreundlichen Alternativen suchen, sich aber (noch) nicht auf das Label “Vegan” festlegen wollen oder können. Das korrespondiert mit meinem eigenen Lebensstil, so esse ich regelmäßig Honig. Auch Vintage-Teile aus Leder hängen vereinzelt noch bei mir im Kleiderschrank, obwohl ich seit Jahren keine Mode mit tierischen Bestandteilen mehr kaufe.

Zurheide: Trendforschern zufolge wird die schnelle Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit von Essen schon bald keinen Widerspruch mehr darstellen: Überall auf der Welt werden derzeit innovative und ganzheitliche Produkte konzipiert …

Ariane Sommer: Die Zukunft der Ernährung hat längst begonnen: Zum Beispiel entwickle ich gerade mit dem renommierten Biochemiker Dr. Clive Spray eine Linie von Vitamin- und Kräuterextrakt Nahrungsergänzungsmitteln in Spray-Form, darunter Vitamin B12: für jene unter uns, die keine Tierprodukte konsumieren. Auch ein Superfood-Spray, welches den Haarwuchs ankurbelt, ist in Planung.

Zurheide: Sie sind seit 5 Jahren Vegetariern und leben seit einem Jahr vegan. Nicht aus geschmacklichen Gründen, räumen Sie ein. Überkommen Sie manchmal noch Appetit-Attacken auf Fleisch und wie gehen Sie damit um?

Ariane Sommer: Auf Hamburger & Co. hatte ich ungelogen seit Jahren keinen Heißhunger mehr verspürt. Der Gedanke an diese angeblichen “Lebens”mittel ist mir eher zuwider. Anders ist es, wenn ich bei meinen Eltern bin. Dann kocht mein Vater manchmal für den Rest der Familie Rinderbraten oder eines der anderen Gerichte, mit denen ich aufgewachsen bin. Den Bratenduft verbinde ich immer noch mit positiven Kindheitserinnerungen. Allerdings verursacht er bei mir keinen Heißhunger, sondern eher eine Empfindung nostalgischer Melancholie. Durch das gemeinsame Kochen pflanzlicher Gerichte lassen sich jedoch auch neue, gefühlvolle Erinnerungen schaffen: Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Zurheide: Nachhaltigkeit ist ein großes Versprechen. Gemeinsam können wir es vielleicht einlösen. Was bedeutet das geflügelte Wort für Sie?

Ariane Sommer: Heute so zu leben, dass ein Morgen möglich ist – für uns und die Generationen, die nach uns kommen.

Ariane Sommer - © Foto: Xavier Dollin

Zurheide: Sie arbeiten seit Ihrem 13. Lebensjahr als Model. Wie empfanden Sie damals das PETA-Shooting: Hat man auch als Vollprofi Vorbehalte, die Hüllen fallen zu lassen?

Ariane Sommer: Sich im nackten Zustand, unserem Geburtszustand, unwohl zu fühlen, sich dafür zu schämen, ist etwas, das uns anerzogen wird. Rein philosophisch betrachtet kann ich der Nacktheit keine negative Haltung entgegenbringen. Als Produkt der Gesellschaft, in der ich aufwuchs, bi ich natürlich auch  nicht gegen alle Vorbehalte gefeit. Sehr geholfen hat, dass die wunderbare Fotografin Sylvie Blum für den Anlass ein kleines, hochprofessionelles Team gebucht hatte. Am Set herrschte eine warme, humor- und respektvolle Atmosphäre. Nach einer Weile “vergisst” man, dass man keine Kleider anhat und konzentriert sich einfach auf die Arbeit.

Zurheide: Welche Erinnerungen aus Ihrer skandalträchtigen Zeit als Party-Girl bringen Sie heute noch zum Schmunzeln?

Ariane Sommer: Damals war ich eine Hupfdohle und von keiner Disco-Box runterzubekommen. Dass ich nicht auf den Boden gesegelt bin und mir keinen Beinbruch zugezogen habe, ist ein Wunder.

Zurheide: Zum Schluss noch die Gretchenfrage, augenzwinkernd formuliert, jedoch mit ernstem Hintergrund: Würden Sie immer noch lieber nackt gehen als im Pelz?

Ariane Sommer: Absolut. Damit verurteile ich selbstredend nicht Menschen in Klimazonen, die sich durch Felle oder Pelzbekleidung vor dem Erfrierungstod schützen: Sie haben oft keinen Zugang zu Alternativen. Für mich kann ich dem Tragen von Echtpelz nur dann etwas Positives abgewinnen, wenn er von meinem Hund Teddy ist – und er ihn anhat.

INTERVIEW: DR. CLAUDIA ROOSEN

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Weiterführende Infos + Kaffee-Tipps, passend zu Arianes Superfood-Coffee-Rezept:
www.zurheide-kaffee.de/kaffeesorten/
www.zurheide-kaffee.de/klimalogie-fuer-kaffee-kenner/

Ariane Sommer mit Freundin„Gotcha!“ – Multi-Media-Artistin Birgitta Hoelting trifft Ariane Sommer im Montage-Hotel, Beverly Hills, und gewinnt sie für ein Zurheide-Interview. Mit freundlicher Unterstützung von kick-management.de!

Arianes Superfood-Coffee Rezept für 2 Personen

Man nehme einen möglichst nachhaltig angebauten Qualitäts-Kaffee. Diesen wie gewohnt aufbrühen und anschließend mit folgenden Zutaten in einen Mixer geben:

  • Mandelmilch nach Belieben
  • 1 EL Kokosöl (Gehirnnahrung)
  • 1/2 TL Maca Pulver (hormonregulierend, Energie)
  • 1/2 TL Ashwagandha Pulver (ausgleichend, Stress reduzierend)

Wer mag, kann außerdem jeweils eine Messerspitze Zimt (reguliert den Blutzuckerspiegel) und Kardamom (duftet und schmeckt herrlich, fördert die Verdauung) hinzufügen.

Anschließend auf höchster Stufe für ca. 10 bis 20 Sekunden mixen.

Für einen Klacks Extragenuss: eine Kanne zuvor kaltgestellte Kokosmilch öffnen, den festen Teil Kokos mit einem Rührbesen in Kokosschlagsahne verwandeln und den Superfood-Coffee damit garnieren!

Für erfahrene Superfood-Aficionados: 1/2 TL Reishi-Pulver hinzufügen. In der chinesischen Heilkunde ist der Pilz seit Jahrtausenden als „Pilz der Unsterblichkeit“ bekannt.