Anouschka Renzi: »Ich bin nun mal nicht beliebig!«

Anouschka Renzi

Anouschka Renzi über Beruf, Berufung, eine Jugend auf dem Präsentierteller und ihr lustvolles Faible für Fettnäpfchen

Sie spielte unter Peter Zadek, am Pariser Théâtre de Odéon an der Seite von Isabelle Huppert und füllt ganze Schauspielhäuser als Kameliendame von Alexandre Dumas. Trotz internationaler Meriten wird Anouschka Renzi von der wertenden Kritik fast schon reflexhaft mit einer lang zurückliegenden Schönheitsoperation assoziiert. Was waren ihre wahren Beweggründe? Wie absolviert die Vollblut-Schauspielerin den Spagat zwischen Kunst und Kommerz? Und steigt Model-Tochter Chiara Moon jetzt auch in den Show-Olymp auf? Der Weltstar im Interview.

Zurheide: Sie haben zwei Arten von Kritikern. Die absurden, welche die Klatschspalten in einer Endlos-Schleife mit Archivmaterial füttern. Und die Theater-Rezensenten, die sich für Ihre Arbeit interessieren: Sie waren Wedekinds Lulu, Tostois Anna Karenina und geben aktuell die Kameliendame von Alexandre Dumas. Suchen Sie bei der Rollenwahl gezielt nach abgründigen Figuren oder gebrochenen Heldinnen?

Anouschka Renzi: Es ist eher so, dass solche Gestalten mich suchen. Oder sogar heimsuchen. Denn ihnen haftet ja bühnenwirksame Dämonie an.

Zurheide: Spiegeln sich darin verdrängte Schattenaspekte Ihres Wesens wider?

Anouschka Renzi: Wenn das der Fall sein sollte, dann lebe ich sie nur auf der Bühne aus. Denn im Alltag bin ich weder eine Taktikerin à la Marguerite Gautier noch hoffnungslos romantisch wie Anna Karenina, eine Femme Fatale wie Lulu und erst recht nicht so gnadenlos wütend hellsichtig wie Ibsens Hedda Gabler, die ich ja auch schon verkörpern durfte.

Szenenfotos aus Anna Karenina und Die Kameliendame: © Friedhelm Schulz, Kleines Theater Bad Godesberg

Szenenfotos aus „Anna Karenina“ und „Die Kameliendame“: © Friedhelm Schulz, Kleines Theater Bad Godesberg

Zurheide: Was ist denn Ihre wahre Natur?

Anouschka Renzi: Ich zolle allen Menschen Achtung und bin loyal zu meinen Freunden. Querulanten gehe ich aus dem Weg. Nur wenn ich hungrig bin, werde ich böse und beiße! (lacht und knabbert an einem Müsli-Riegel) Ernsthaft, Angriffsdenken liegt mir nicht, ich bin lieb und gut.

Zurheide: Tiefe, Tragik und eine hohe dramatische Dichte bescheinigt die wertende Kritik ihren Theater-Darbietungen. Faszinierende Bühnenpräsenz. Eine eigene, magische Leuchtkraft. Sie sollen stets spielen, als ginge es um Ihr Leben. Wird man von solchen komplexen Rollen nicht sehr vereinnahmt?

Anouschka Renzi: Touché, manchmal gehe ich dermaßen in einer Figur auf, dass es einige Momente dauert, bis ich den Applaus genießen kann. Marguerite Gaultiers Tragödie bleibt ja nicht den Kleidern hängen: diese ewige Angst verlassen zu werden und die Erwartung eines rächenden Schicksals. Ihren weiblichen Opfersinn teile ich jedoch nicht.

Anouschka Renzi

Anouschka Renzi

Zurheide: Trotzdem tragen Sie viel auf Ihren Schultern: große Leidenschaft, Rebellion, Zerbrechlichkeit und das Bewusstsein, in die Fußstapfen von Greta Garbo oder aktuell Keira Knightley zu treten. Bekommt man da schon mal Angst vor der eigenen Courage?

Anouschka Renzi: Die Herausforderung bestand eher darin, gegen eine sehr eingedampfte Version des Stückes anzuspielen. Der Regisseur Rolf Heiermann hat die Bühnenfassung auf seine dramaturgische Essenz reduziert. So gebe ich die Kameliendame „kompakt“.

Zurheide: Ihre berühmten Eltern Paul Hubschmid und Eva Renzi gelten als das Brangelina der Sechziger Jahre, bei Ihnen gingen Ikonen wie Gunther Sachs oder Romy Schneider ein und aus. Wie wächst man im Blitzlichtgewitter der Paparazzi auf und was macht so eine Kindheit mit einem?

Anuschka Renzi: Ich bin zwar international aufgewachsen, aber ohne viel Tamtam. Meine Mutter war ein politisch aktiver Mensch, der sich oft in den gesellschaftlichen Diskurs seiner Zeit einmischte. Es knirschte also manchmal im Gebälk. Umso besser verstehe ich mich heute mit meiner Tochter Chiara …

Zurheide: … einem angehenden Fotomodell, das gerade in den Model-Olymp aufsteigt?

Anuschka Renzi: Einer angehenden Abiturientin, die sich nur wenige, dafür sehr gute Laufsteg-Jobs herauspickt.

Nicht ohne meine Tochter: Wir-Gefühl im Fadenkreuz der Presse

Nicht ohne meine Tochter: Wir-Gefühl im Fadenkreuz der Presse

Zurheide: In einer Fashion Show von RIANI, die unter dem Motto „Team Mother & Daughter – IN LOVE WE TRUST“ steht, flanieren Sie beide gemeinsam über den Laufsteg …

Anouschka Renzi: Trotzdem bleibt es ein Nebenjob für Chiara, die Schule hat Priorität. Und  ihr soziales Praktikum, das sie derzeit in einem Kindergarten absolviert. Später geht´s dann in Richtung Kunst, Journalismus, Mode, vielleicht auch Schauspielerei.

Zurheide: Gemeinsam leben Sie in Berlin in einer Art WG mit Chiaras Freund, einem Mit-Studenten. Erzeugt so viel Nähe nicht auch Reibungen?

Anouschka Renzi: Unser Zusammenleben verteilt sich derzeit auf 250 Quadratmeter, die jedem genug Freiraum lassen. Allenfalls Chiaras Unordnung macht mir etwas zu schaffen: Ich bin nun mal ein ordnungsliebender Mensch.

Zurheide: Ihre Beziehung soll eng, fast schon symbiotisch sein. Wird das nicht schwer werden, wenn Chiara einmal auszieht?

Anouschka Renzi: Die langen Winter in Berlin könnten mir dann doch aufs Gemüt schlagen. Vielleicht löse ich später die große Wohnung auf
und ziehe nach Südfrankreich. Es sei denn, ich verliebe mich neu!

Zurheide: Mit dem deutschen Publikum verbindet sie eher eine Hassliebe: In den Klatschspalten wird man Ihnen nicht immer gerecht …

Anouschka Renzi: Vielleicht, weil ich in keine Schublade passe. Neben dem Theater mach´ ich mal Hospiz, mal TV, mal Boulevard und bin parallel auch noch Synchronsprecherin. Sehr am Herzen liegt mir meine Arbeit als Schauspieldozentin. Schließlich habe ich mein Handwerk bei Lee Strasberg gelernt. Das verpflichtet.

Zurheide: Wie zuvor auch Marilyn Monroe und Marlon Brando. Ist es da nicht verstörend von der Boulevardpresse auf Nebensächlichkeiten wie eine Nasenkorrektur reduziert zu werden?

Anouschka Renzi: Selbstwert definiert sich für mich nicht über Image oder beruflichen Erfolg. Beides unterliegt ja einer gewissen Willkür. Aber auf so viel Gehässigkeit war ich wirklich nicht gefasst.

Zurheide: Was die wenigsten wissen: Der Anlass für den Eingriff war ein Bühnenunfall, bei dem Ihr Gesicht schwer verletzt wurde.

Anouschka Renzi: Neben der medizinischen Indikation ließ ich jedoch auch einen Nasenhöcker korrigieren und war so töricht es offen zuzugeben. Darin bestand vielleicht die eigentliche Provokation.

Anouschka Renzi

„Ich passe in keine Schublade!“ – Renzi über Renzi

Zurheide: Erliegt man damit nicht doch ein wenig den Eitelkeiten der Branche?

Anouschka Renzi: Ich bewundere jeden, der in Würde altert und kleine Makel an sich akzeptiert. Aber wenn das jemand nicht schafft, ist das noch lange kein Grund, ihn so niederzumachen.

Zurheide: Vielleicht spielt ja auch ein wenig Neid mit rein. Verraten Sie uns das Geheimnis ihrer schlanken Linie?

Anouschka Renzi: Unter der Woche esse ich alles, abends vielleicht eher Gegrilltes und Salate, halt nicht so viele Kartoffeln oder andere Kohlenhydrate. Fasten stehe ich jedoch nicht lange durch: So bin ich während einer Molkenkur heimlich ausgebüchst, um mir Schweinereien aus der Bäckerei zu holen. Und hab´ natürlich nicht ein Kilo verloren. Gelegentliche Selbstkasteiung ist ja gut und schön. Aber stellen Sie sich jetzt mal eine knusprige Pizza vor! Eben. 😉

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.